Donnerstag, März 01, 2018

Sonntag, Januar 14, 2018

Die SmartWatch als Trainer-Ersatz

... oder warum ein digitales Gerät unangenehme Wahrheiten ungestraft äußern darf. Ein 365-Tage-Dauertest.


Eine neue digitale Beziehung

Tägliche Anmerkungen wie „Normalerweise hast Du dich zu dieser Zeit schon viel mehr bewegt“, „Es ist Zeit mal wieder aufzustehen“ oder „Atme mal wieder tief durch – ich helfe Dir auch dabei“ sind üblicherweise nicht besonders gut dafür geeignet, um eine Beziehung positiv weiterzuentwickeln.

Kaum ein Freund oder Familienmitglied dürfte die Kommentare und Anmerkungen völlig ungestraft äußern, die ich meiner SmartWatch zugestehe – selbst wenn sie mit ihren Einschätzungen in Bezug auf meinen Bewegungshaushalt ähnlich Recht haben würden.

Sogar kluge, positive Motivation wie "Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen. Lass nicht locker, Christoph! ..." kann zur falschen Zeit ausgesprochen zu etwas ganz anderem werden als ursprünglich beabsichtigt. Jeder, der schon einmal von seiner Partnerin bzw. seinem Partner "auf dem falschen Fuß erwischt wurde", weiß vermutlich was ich meine.

Das kann aber bedeuten, dass diese Art der Kommunikation nun tatsächlich an ein digitales Gerät ausgelagert wird, das auf Grundlage von gewonnen Daten die Hinweise gibt. Das Gerät wird damit nicht nur zum Medium, es ist quasi gleichzeitig Kommunikator und Trägermedium. Darauf muss man sich einlassen wollen. Allerdings glaube ich, dass wir uns seit Einführung von Siri, Alexa und Co. schon mitten in dieser Phase des Einlassens auf diese digitalen Assistentensysteme befinden.


Die Bedeutung von kleinen Erinnerungshilfen

Vielleicht hilft ein Bewegungsmesser wie die Apple Watch nicht dabei Beziehungen zu retten, aber vielleicht nimmt sie einem Partner die wahren, aber unangenehmen Bemerkung bezüglich der Bewegungsarmut des SmartWatch-Trägers ab. Warum also diese heikle Aufgabe nicht an ein digitales Medium abgeben? Und das kann dann wiederum zu mehr Entspannung in einer Beziehung führen – vielleicht ...


Doch keine Spielerei?

Aber ich erkläre jetzt lieber meine persönliche Motivation, trotz meiner kritischen und teils lästerlichen Bemerkungen über die Sinnhaftigkeit einer SmartWatch bzw. Apple Watch (siehe z.B. Blogeintrag vom 10.04.2013), nun doch nach einigen Jahren der Marktbeobachtung eine dieser Errungenschaften der digitalen Welt anzuschaffen – und ausgiebig zu testen.

Im Dezember 2016 bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es wieder Zeit für eine bewusste Veränderung meiner Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten wäre.

Dazu sollte ich noch kurz erwähnen, dass mir die Adventszeit im Dezember mittlerweile auch dazu dient, eine persönliche Retrospektive des zuendegehenden Jahres zu erstellen. Diese Jahresanalyse fiel 2016 nicht gerade positiv in Bezug auf meine sportlichen Betätigungen aus: zuwenig gewandert, zuwenig gepaddelt, zuwenig Rad gefahren, grundsätzlich viel zu viel bequeme, motorisierte Fortbewegung genutzt. Dies gepaart mit einer etwas rückläufig bewussten Ernährung ist grundsätzlich keine gute Idee, wenn man die nächsten Jahre oder sogar Jahrzehnte fit bleiben will. Und obwohl ich eigentlich durchaus ein Freund von persönlichen, menschlichen Begleitern (neudeutsch Coaches) bei Veränderungsvorhaben bin, wollte ich diesmal ausprobieren, ob ein digitaler Begleiter auch positive Veränderungen ermöglichen kann. Zudem wollte ich intensiver testen, zu was man "dieses Ding" sonst noch nutzen kann. Schließlich ist eine moderne SmartWatch weder eine Uhr im klassischen Sinne, noch ein einfaches Aktivitäts-Tracking-Gerät und sollte auch nicht als solches angesehen werden. Die zusätzlichen Funktionen waren allerdings zunächst Beiwerk für mich, es ging mir hauptsächlich um alle Funktionen, die dazu geeignet sind meine Bewegungsarmut zu überwinden.

Die entgültige Entscheidung für einen 365-Tage-Selbstversuch mit einer SmartWatch habe ich dann am 31.12. gefällt und noch vor Jahreswende eine einfache Apple Watch 2 erworben. Ab 01.01.2017 sollte der Test dieses Sport-Gadgets dann beginnen.

Die Apple Watch 2 bringt im Vergleich zur Vorgängerversion einige für mich bedeutsame Optimierungen mit, die sie für den Einsatz beim Sport bzw. bei Outdoor-Aktivitäten nutzbar macht: 1) Sie ist mit eingebautem GPS auch unabhängig von einem Smartphone für die Aktivitäten-Messung nutzbar und 2) die Uhr ist ausreichend wasserdicht fürs Paddeln, Schwimmen, Surfen oder Schnorcheln. Zusätzlich wurde 3) die Bedienung des Gerätes grundlegend verbessert und 4) der Gamification-Ansatz für die Bewegungs-Motivierung sollte nun auch nutzbar sein.


Start mit einer Szenarien-Test-Woche

Das Ziel: Ringe schließen
Sofern sich der Träger auf die Apple Watch als Bewegungs-Coach einlässt, gilt es täglich drei Aufgaben zu meistern. Diese werden in ihrem Fortschritt durch drei farbige Ringe symbolisiert. Der vermeintlich wichtigste Ring ist rot und steht für die durch Bewegung verbrauchten Kalorien (dieser Wert ist manuell anpassbar – empfohlener Startwert bei mir waren 350 kcal). Der zweite Ring ist grün und zeigt an, wieviele der empfohlenen 30 min. Training pro Tag der Träger absolviert hat (dieser Wert ist fix). Ring Nummer drei zeigt die Anzahl der Stunden, in denen man sich mindestens für eine Minute aufrecht bewegt hat – dieser Ring ist blau. Der unveränderbare Zielwert für die Stehstunden liegt bei 12 Stunden.

Alle drei Aktivitätsringe gilt es täglich zu schließen. Das klingt zunächst ziemlich einfach, ist es aber für einen modernen Stadtmenschen mit einem Job am Schreibtisch nicht unbedingt. Das habe ich nämlich mit einem Selbstversuch in der ersten Woche herausfinden können. Die Uhr habe ich dabei nur während der Schlafphasen abgenommen und sonst permanent getragen. Ziel der Testwoche war es, herauszufinden, wie gut sich die Ringe bei verschiedenen Bewegungs-Szenarien eines Tagesablaufs schließen lassen. Das ging von einem eher bequemen Wochenendtag auf dem Sofa mit einer 30-Min-Bewegungseinheit am Schlagzeug bis zu einem bewegten Arbeitstag mit bewegungsreichem Weg zur Arbeit und einer zusätzlichen Trainigseinheit.









Bewegungs-Szenarien

  1. Bequemer Feiertag, lange ausschlafen, mit kleiner Trainingseinheit (01.01.)
  2. Bewegter Arbeitstag mit Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und Trainingseinheit (02.01.)
  3. Bequemer Arbeitstag ohne Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und ohne Trainingseinheit (03.01.)
  4. Bewegter Arbeitstag mit Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und ohne Trainingseinheit (04.01.)
  5. Bewegter Arbeitstag ohne Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und mit Trainingseinheit (05.01.)
  6. Bewegter Arbeitstag mit Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und mit Trainingseinheit (06.01.)
  7. Bequemer Wochenendtag mit kleiner Trainingseinheit (07.01.)
  8. Bequemer Wochenendtag, lange ausgeschlafen, mit längerem Spaziergang (08.01.)

Ziel: Aktivitätsringe schließen!

Die Erkenntnisse der Testwoche haben mich anschließend tatsächlich das ganze Testjahr begleitet, da ich die Extreme nun kannte und sogar mein Zufriedenheitsniveau eines bequemen Tages im Vergleich zu einem bewegten Tag im Kopf hatte: Die bequemen Tage waren die, mit der wahrgenommen höchsten Unzufriedenheit und der stärksten Kompensation durch (überwiegend) ungesunde Ernährung. Sowas spornt dabei an, wieder deutlich mehr Bewegung ins Leben zu lassen. So war es zumindest bei mir.

Umsetzung der Erkenntisse

Nachdem ich mich damit angefreundet hatte, der SmartWatch eine gewisse Kontrolle über meinen inneren Schweinehund zu erlauben, konnte ich die kleinen Erinnerungen in Bezug auf das mal wieder angesagte Aufstehen vom Sitzplatz (der Hinweis kommt spätestens 10 Minuten bevor eine volle Stunde um ist und man sich nicht mind. 1 Minute aufrecht bewegt hat) oder eine Ermahnung, dass ich erst wenig von meinen Trainingsminuten absolviert habe (der Hinweis kommt spätestens am Nachmittag, wenn der grüne Ring noch wenig Füllung aufweist) als hilfreiche Assistenz beim Erreichen der Bewusstseinsveränderung akzeptieren. Hier fungiert die SmartWatch tatsächlich als eine Art künstlicher Gesprächspartner bzw. Erinnerer. Das ein oder andere Mal habe ich mich dabei erwischt, dass ich den kleinen Klugscheißer "freundlich" daran erinnert habe, dass ich dies schon selbst wüsste. Es ist daraus nie eine längere Diskussion entstanden – das ist sicherlich auch gut so.

So habe ich meinen Weg zur Arbeit wieder häufiger ohne Auto zurückgelegt, bin häufiger spazieren gegangen und habe ein paar Freizeit-Sportarten in mein Ausgleichprogramm zurückgeholt.

Die üblichen Verdächtigen, die häufig zu einem Neujahrsvorsatz in Bezug auf "mehr Sport" dazugehören, habe ich absichtlich nicht ins Bewegungsprogramm aufgenommen: Für die Erhöhung meiner täglichen Bewegungszeiten habe ich mich NICHT auf regelmäßiges Joggen eingelassen. Auch waren Besuche in einem Fitness-Studio KEIN Teil des Veränderungsprogramms. Allerdings spiele ich seit einem Jahr wieder täglich E-Drums – ein Effekt den ich ursprünglich nicht erwartet hätte – da meine SmartWatch das Schlagzeugspiel als durchaus ernstzunehmende sportliche Aktivität erkannt hat. Dass ich durch die tägliche Routine an diesem Instrument auch ein paar technische Fortschritte gemacht habe, war dabei ein netter, positiver Nebeneffekt meines Tests.

Einen wirklich erkennbaren Effekt des nun regelmäßigen Bewegens konnte ich allerdings erst sehen, nachdem auch die sinnvolle Umstellung der Ernährung (deutlich mehr Obst und Gemüse, statt künstliche Süßwaren oder Salzgebäck) mit der erhöhten täglichen Bewegung bei der Fettverbrennung geholfen hat – bzw. mehr verbrannt wurde, als hinzu kam.

Bei der positiven Entwicklung meines zurückgewonnen Bewegungsreichtum hat allerdings in der zweiten Jahreshälfte auch ein kleiner, ungeplanter Wettbewerb zwischen einigen meiner Familienmitglieder geholfen, von denen einige auch per SmartWatch mehr auf ihre Bewegung geachtet haben. Alleine die Verknüpfung meiner Tracking-Ergebnisse mit denen einer weiteren Person hat gereicht, damit wir uns gegenseitig bei der Bewegungsintensivierung positiv unterstützen konnten. Gemeinsam trainieren funktioniert so offensichtlich auch über hunderte von Kilometern.

Im Verlauf des Testjahres konnte ich mich dauerhaft von einigen überflüssigen Kilos um die Hüften herum verabschieden und selbst die Advents- und Feiertagszeit zum Ende des Jahres hat an dieser positiven Entwicklung nichts geändert.

Den Verlauf des Jahres im Detail zu beschreiben wäre nicht hilfreich und vermutlich eher langweilig. Wichtig ist aber zu erwähnen, dass ich im Laufe der ersten Monate überwiegend frühere Bewegungsroutinen wiederbelebt habe und mir Gedanken darüber gemacht habe, warum ich meiner Bequemlichkeit soviel Raum zugelassen habe.

Mit Ausnahme eines einzigen nicht vollendeten Stehstunden-Rings, konnte ich, innerhalb der auf die erste Test-Woche folgenden 365-Tage (09.01.2017 – 08.01.2018), täglich alle Bewegungs-, Trainings- und Steh-Ringe schließen. Erstaunlicher Weise, hat mich der nicht geschlossene blaue Aktivitätsring mehrere Tage geärgert, weil er meine bis dahin "perfekte" Bilanz in Bezug auf geschlossene Aktivitätsringe zerstört hat. Mit dieser kleinen "Macke" in der Bilanz musste ich erstmal zurechtkommen – was mir gezeigt hat, dass auch der Disziplin-Wettbewerb mit mir selbst durchaus eine nicht zu unterschätzende Rolle bei diesem Test spielte.

Ein Effekt, der mir am ehesten negativ aufgefallen ist, war eine gewisse Abhängigkeit der „Selbstkontrolle“ von dem digitalen Mess- und Coaching-Assistenten, der alle gesammelten Informationen auch mit meinem Smartphone geteilt hat. Und wenn ich mir über die zukünftigen Optionen des Missbrauchs dieser Infos Gedanken mache, komme ich schnell zum Thema Datenschutz in Bezug auf personengebundene Daten. Selbst gegen Beitragsvergünstigungen würde ich meine detaillierten Daten jetzt und in Zukunft nicht unbedingt mit Krankenversicherungen oder anderen Institutionen teilen wollen. Also auch nicht gerade ein Thema, bei dem ich diese Technologie nur positiv betrachte. Aber diese Erkenntnis und ein entsprechend kritisches Bewusstsein in Bezug auf die ermittelten Daten ist ja auch etwas wert – positiv gesehen ;-)



Fazit

Der beste Effekt dieses 365-Tage-Versuchs ist meine insgesamt höhere Zufriedenheit, trotz anstrengender Arbeitsbelastung. Dazu kommt der Willen, die Bewegungseinheiten auch weiterhin als festen Bestandteil meines Tagesablaufs beizubehalten. Ob ich dafür in Zukunft weiterhin immer die SmartWatch zur Kontrolle benötigen werde, wird sich noch zeigen.

In Bezug auf die Kosten für dieses 365-Tage-Coaching kann ich auch festhalten, dass mich vermutlich kein menschlicher Fitness-Trainer oder sonstiger Veränderungsbegleiter für einmalige 450 Euro (Anschaffungspreis der SmartWatch) durch das Jahr 2017 begleitet hätte und zur passenden Zeit einen Impuls für die Optimierung meiner Bewegungsziele gegeben hätte. Das entspräche einem 24/7-Service für ca. 1,25 Euro pro Tag – und dieser Wert relativiert sich durch die Expansion der Nutzung weiterhin. Darauf muss sich ein menschlicher Coach erstmal einlassen wollen.

Diesbezüglich vermute ich leider wieder durch diese Art der Digitalisierung eine Tendenz der Disruption in einem Berufszweig, dessen Vertreter bisher nicht ahnen, dass ein digitales Medium wie eine SmartWatch die zukünftigen Verdienstoptionen massiv reduzieren könnte. Aber das bleibt auch in diesem Segment abzuwarten – vielleicht gehören Menschen wie ich ja überhaupt nicht zur Zielgruppe der Personal Trainer und eine SmartWatch ist somit keinerlei Konkurrenz – vielleicht ...


Einfache Zusammenfassung

Erkenntnisse nach einem Jahr täglicher Nutzung einer SmartWatch in der Funktion als persönlicher, digitaler Bewegung-Coach.


Pros:

  • Veränderung der Bewegungsgewohnheiten
  • Bewussterer Tagesablauf
  • Einbau von täglichen, kleinen Trainingseinheiten (15 - 30min.)
  • Schlagzeugspiel als besondere Bewegungseinheit entdeckt
  • "Geist + Körper"-Training hilft beim mentalen Ausgleich
  • Reaktivierung von längeren Spaziergängen oder Wanderungen
  • Tanzen wiederentdeckt
  • Treppensteigen wiederentdeckt
  • Bewusstere Trinkgewohnheiten etabliert
  • Neudefinition der Ernährungsgewohnheiten
  • Bewussterer Umgang mit Atemübungen etabliert
  • Deutlich mehr persönliche Ausgeglichenheit – im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren
  • Gewichtsabnahme durch die Kombination aller Maßnahmen ab Mitte des Jahres
  • Nutzung der Trainingsfunktion ab Mitte des Jahres führt zur deutlichen Erhöhung der Motivation
  • Gamification Ansatz funktioniert nicht nur für mich, sondern zieht Kreise in der Familie (sogar bei Personen ohne Apple Watch)
  • Positiver "Bewegungswettbewerb" im familiären Kreis

Cons:

  • Messungen können nur als Orientierungshilfe genutzt werden und sind nicht zu 100% genau.
  • Abhängigkeitserscheinungen von dem Messwerkzeug ("Sucht" nach positiver Bestätigung durch den digitalen Assistenten)
  • Überlegungen, wie man die Messung „positiv“ beeinflussen kann
  • Überlegungen für weitere körperliche Optimierung durch Quantifizierung (zum Glück nicht weiter verfolgt)
  • Überlegungen über die jetzigen und zukünftigen Missbrauchsmöglichkeiten meiner gesammelten Daten durch Krankenkassen, Versicherer etc. führen nicht unbedingt zu Begeisterung (Thema Datenschutz!)

Ein kleiner Blick in die Zukunft

Wenn ich mir eine erweiterte Version meiner aktuellen SmartWatch vorstelle, die mit zusätzlichen Biosensoren ausgestattet wäre und zusätzlich einen Chip mit künstlicher Intelligenz bereitstellen würde, sind noch abwechslungsreichere und individuellere Motivations-Szenarien denkbar.

Was wäre, wenn meine "Uhr" dann auch meine Stimmungslage nach einem Training oder einem Entspannungsmoment erfassen kann und im Laufe der Zeit daraus lernen kann, mir situationsabhängig passende Empfehlungen zu geben, die sich positiv auf meinen Bewegungshaushalt und meine Ausgeglichenheit auswirkt. Im vergangenen Jahr hätte mir die Uhr vermutlich zu mehr Zeit im Wasser und auf dem Surfboard geraten, weil ich nach der sportlichen Aktivität im bzw. auf dem Wasser anschließend immer so „breit grinsend“ entspannt war.

Noch einen Schritt weiter gedacht, koppele ich die SmartWatch dann zusätzlich mit einem weiteren wearable Device vor meinen Augen, das mir Augmented oder Virtual Reality ermöglicht. Dadurch wären meiner Bewegungsmotivation kaum noch Grenzen gesetzt. Durch die Erweiterung meiner Erlebnisräume könnte ich mich in Umgebungen bewegen, die mir zusätzliche Anreize in Form von völlig neuartigen, virtuellen Sportarten bieten.

Das klingt noch etwas nach HAL9000 und Science Fiction, kann aber für Menschen mit einem herausfordernden Alltag durchaus hilfreich sein, um fit zu bleiben. Und so ein Device kann entsprechend ausgestattet sogar vor Überlastungen oder krankheitsbedingten, drohenden Ausfällen warnen.

Vielleicht könnte ein menschlicher Beobachter und Begleiter etwas ähnliches ermöglichen. Aber welche Person begleitet mich 24/7 mit dem Fokus, meine Gesundheit zu erhalten, tatsächlich durch den Tag – oder würde dies für 1,25 Euro pro Tag tun?



Freitag, Januar 13, 2017

Beschleunigung durch Digitalisierung?

Für viele Menschen ist die Geschwindigkeit der Transformation durch die "Digitalisierung" vieler Lebensbereiche schwer einschätzbar.

In den vergangenen Monaten konnte ich viele Gespräche zu den Themen "neue Medientechnologien" und "Anforderungen der Digitalen Transformation" führen. Sowohl bei privaten Diskussionen, bei Entwicklungsgesprächen mit Geschäftspartnern oder bei Sessions auf Barcamps oder ähnlichen Veranstaltungen, die ich besucht habe, waren diese Themen quasi omnipräsent.

Es gibt sehr viele verschiedene Positionen zu diesen überwiegend "digitalen" Themen, jedoch ist in allen Gesprächen immer wieder die Frage nach der Dauer bis zu einem relevanten Umbruch der Nutzergewohnheiten oder der Erreichung eine relevanten Nutzerzahl aufgetaucht.

Ich vertrete die These, dass digitale Medien bzw. digitale Technologien, eine Beschleunigung der Transformation bei Nutzungsgewohnheiten ermöglichen und somit auch eine schnellere Adaption von Innovationen (insbesondere wenn diese auf etablierten "Träger"-Technologien basieren). Dadurch können sich neuartige Technologien schneller etablieren, als noch vor einigen Jahrzehnten. Wenn die These stimmt, könnten sich auch Technologien wie die 2016 viel diskutierten Virtual Reality Brillen oder die künstlichen Intelligenzen wie Alexa von Amazon oder IBM Watson viel schneller in unseren Haushalten, Unternehmen oder Gesellschaften durchsetzen, als viele Menschen glauben wollen.

Das Statistik-Portal Statista hat eine plakative Infografik erstellt, die dieses Thema illustrieren hilft. Demnach hat sich die Zahl der Jahre bis zur Erreichung einer Nutzerschaft von 100 Millionen Nutzern seit Etablierung digitaler Technologien in den 80er/90er Jahren deutlich verringert. Während die Etablierung des Telefons (bis zur 100 Millionen Nutzer Marke) noch 75 Jahre benötigt hat, konnte das World Wide Web schon nach sieben Jahren diese Schwelle überschreiten. Digitale Services wie Whatsapp oder Instagram hatten die 100 Millionen Nutzer Grenze schon nach etwas mehr als zwei Jahren überschritten.

Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die neuen Technologien oder Medien jeweils auf Basis der zuvor etablierten Technologien oder Medien existieren. Kein Instagram ohne World Wide Web, kein World Wide Web ohne Telefoninfrastruktur.

Eine Beschleunigung durch zunehmende Digitalisierung kann über diese Infografik sichtbar werden.

Infografik: Digital ist schneller | Statista


Freitag, April 29, 2016

NGO Blended Learning – Kleine Bildungsrevolution?!

In dem Artikel "Sie ändern alles#", der aktuell in der ZEIT (NR. 19 / 2016) erschienen ist, wird ein interessantes neues Start-Up Projekt im Bereich Bildung beschrieben.

Bei der NGO-Unternehmung Kiron geht es, einfach beschrieben, um einen vereinfachten Zugang zu höherer Bildung durch die Umgehung von klassischen, bürokratischen Barrieren. Das aktuelle Angebot richtet sich speziell an Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und mit Hilfe von Kiron die Möglichkeit einer höheren Weiterbildung erhalten sollen. Das angewendete Konzept des "Blended Learning" (einer Kombination aus Online- und Offline-Studium) wird hier für die Vorbereitung eines regulären Studienabschluss angewendet. Dieser Ansatz wäre grundsätzlich auch für alle Bildungsinteressierten weltweit anwendbar.

Da das Lernen über Kiron durch eine Bildungskooperation mit verschiedenen Universitäten ermöglicht wird und die Inhalte von überall auf der Welt per Smartphone und Internet-Verbindung nutzbar sind, kann dieses Projekt für die weltweite Verbreitung neuer Denkansätze in Bezug auf neue Werkzeuge in Bildungssystemen sorgen.

Wenn es möglich wird, dass selbst aus einem Flüchtlingslager in einem fremden Land heraus (also mit ganz geringen Mitteln) ein Schritt zur höheren Bildung ermöglicht wird, dann sollte dies in Zukunft nahezu überall möglich sein. Dies würde dann möglich, wenn wir die mit dieser Art von Demokratisierung verbundenen Veränderungen als Chancen verstehen und nicht als Gefahr.

Die weitere Entwicklung dieser Unternehmung wird für alle Menschen, die sich mit neuen Bildungsoptionen und Veränderungen in unseren modernen Gesellschaftssystemen beschäftigen, spannend sein.

Mehr Infos zu diesem Bildungsprojekt:

Sonntag, Februar 07, 2016

Skills Camp Session – Thesen zur Vision 2030

Einige unserer Thesen zur "Vision 2030" wurden am vergangenen Samstag (06.02.) in einer Session beim Skills Camp der Hamburger Kreativ Gesellschaft im Betahaus Hamburg diskutiert.

Das Thema der Session war: IBM Watson 2030 – Welche Auswirkungen könnten "Kognitive Computersysteme" auf Jobs in der Kreativbranche haben? Sparringpartner oder Jobkiller? Könnte sich die Technologie von IBM Watson auch zum "Virtuellen Privatassistenten" entwickeln, der im Medienwolken Szenario zur Kommunikation 2030 Erwähnung findet? 

Thesenfolie/Grafik zum Thema "IBM Watson 2030" – Kreative Marketing Experten und Kognitive Computersysteme – Entwicklungspotential und Konsequenzen
Thesenfolie/Grafik zum Thema "IBM Watson 2030"

Wir konnten in den verfügbaren 45 min. nur Ansätze besprechen und einen Einstieg ins Thema schaffen. Interessant und wertvoll war der Austausch dennoch. Die Sessionteilnehmer aus verschiedenen Bereichen der Kreativbranche waren sich einig, dass solche Themen und Thesen vielfach und mit mehr Zeit ausgestattet diskutiert werden sollten. Ein Teilnehmer der Session forderte entsprechende Debatten über die "Vision 2030" insbesondere in Berufsverbänden. 

Diese Forderung unterstütze ich zu 100%. Betroffen sind bei den anstehenden Veränderungen nicht nur Marketing Experten (wie in unserem Beispiel präsentiert), sondern nahezu jede Fachkraft, die sich bisher insbesondere auf die persönliche Erfahrung berufen und auf das (irgendwann einmal) gelernte Fachwissen gestützt hat. Kognitive computerbasierte "Unterstützungssysteme" könnten in Zukunft den bisherigen persönlichen, menschlichen Vorteil bei kreativen Herausforderungen relativieren ... insbesondere in Bezug auf die heutzutage allseits beliebte Effizienz, aber auch in Bezug auf die Qualität und weitere wichtige Kriterien.

Samstag, November 21, 2015

Barcamp Hamburg: Kleine Retrospektive

Bildhafte Zusammenfassung meiner Barcamp Hamburg Session vom 14.11.2015
Das Barcamp Hamburg 2015 ist nun schon vor genau einer Woche viel zu schnell zu Ende gegangen. An den zwei Tagen Barcamp konnte ich viele neue Impulse mitnehmen, über die unterschiedlichsten Themen einen überwiegend konstruktiven Meinungsaustausch pflegen und hoffentlich selbst ein paar hilfreiche Impulse erzeugen.

Themenvielfalt
Von Diskussionen über die Inhalte, die der aktuellen Virtual Reality Technologie zum Durchbruch verhelfen könnten, über einen Vortrag über Ansätze des Fachbereichs "Positive Psychologie" oder Praxistipps für schöneres Schreiben auf Flipcharts, bis zum Meinungsaustausch über eine mögliche gesellschaftliche und technologische Realität im Jahr 2040 waren die unterschiedlichsten Themen auf dem diesjährigen Barcamp Hamburg vertreten. Es gab viel mehr interessante Sessions, als ich persönlich besuchen konnte. Ich hatte den Eindruck, dass nahezu jeder Teilnehmer an genau dieser offenen Vielfalt interessiert war und dadurch extrem viele wertvolle Gespräche und Gedanken entstehen konnten.

Perspektivwechsel als Thema
Bei meiner Session zum Thema "Perspektivwechsel" habe ich als ein Beispiel für den gezielten Aufbau von Stellvertretern, die einen Perspektivwechsel der betrachtenden Personen ermöglichen, das Medienwolken Kategoriensystem vorgestellt. Damit wollte ich demonstrieren, wie man mit einem System, das als Ausgangspunkt immer eine individuelle Person nutzt (die persönlich oder im Team erarbeitet wird), einige neue Sichtweisen auf abstrakte Themen oder Zusammenhänge ermöglichen kann. In meinem Fall waren die individuelle Mediennutzung und die Veränderungen in den Medienrealitäten über Jahrzehnte hinweg die Themen.

Zugegebener Weise war die Präsentation und Diskussion in diesem Fall eine Herausforderung für mich – bei einem Zeitlimit von knapp 30 min. Projektvorstellung und nur 15 min. Diskussionszeit. Leider war durch diese Limitierung keine Zeit für die Teilnehmer der Session auch ihre eigenen aktuellen oder zurückliegenden Medienwolken mit mir gemeinsam zu erstellen – was sicherlich den Nutzen des Systems noch besser veranschaulicht hätte.

Aber der Versuch war trotzdem ein Erfahrungsgewinn. Bisher hatte ich für ähnlich Veranstaltungen immer ca. 2 Stunden zur Verfügung. Diese Zeit scheint die Bearbeitung des Themas mit mehreren Personen auch zu benötigen. Dies ist ja auch eine nutzbare Erkenntnis.

Erfahrungsgewinn
Die zwei Tage auf dem Barcamp Hamburg wären für mich aber auch ohne eigene Session ein Gewinn gewesen. Auf einem so großen Barcamp (ca. 400 Teilnehmer) war ich zuvor noch nicht und die Themenvielfalt (mehr als 100 Sessions) war enorm. Es war absolut lohnenswert, sich den darin liegenden Herausforderungen zu stellen.

Dienstag, September 15, 2015

Leitmedium Internet – wann kommt der Umbruch?

Die aktuellen Ergebnisse der Langzeitstudie von ZDF/ARD zum Thema Massenkommunikation lassen interessante Blicke auf die Veränderungen der Mediennutzung der Deutschen zu. In den letzten Jahren verändern sich die Nutzungszeiten nach und nach Zugunsten digitaler Medien. Wie man der zur Studie passenden Grafik von Statista entnehmen kann, ist insbesondere die Gruppe der 14-29 Jährigen bei der Verwendung neuerer Medien mit deutlich höherer Nutzungsdauer positioniert, als der Durchschnitt der Gesamtheit der 4300 Befragten ab 14 Jahren.

Infografik: Fernsehen schlägt Internet - doch wie lange noch? | Statista

Besonders auffällig ist die unterschiedliche Nutzung beim Vergleich der Nutzungsdauer von Fernsehen und Internet. Hier weicht die Mediennutzungsdauer der jüngeren Nutzer vom Gesamtdurchschnitt deutlich ab und es ist hervorzuheben, dass sich in dieser Gruppe schon jetzt eine Verschiebung des Leitmediums vom Fernsehen zum Internet vollzogen hat (sofern man Internet als ein Medium begreift).

Interessant ist aber ebenfalls die Nutzung von Büchern, Magazinen und Zeitungen. Während die Tageszeitungen und Zeitschriften in der jungen Nutzergruppe eine deutlich geringere Bedeutung zu haben scheinen, sind Bücher (hier wird nicht zwischen analog oder digital differenziert) leicht bedeutsamer als beim Gesamtdurchschnitt aller Nutzer.

Die Grafik von Statista zeigt deutlich, dass im Bereich der Massenmedien durch die nachkommenden Generationen eine Verschiebung der Nutzungsdauer verschiedener Medien stattfindet. Entgegen der Beteuerungen von Vertretern der klassischen Medien, wird es, durch die nachwachsenden Generationen ausgelöst, einen deutlichen Wechsel im Leitmedium geben: TV wird nicht mehr auf Platz eins stehen. Diese Veränderung wird sich auch im sonstigen Mediennutzungsverhalten niederschlagen und sicherlich auch auf andere Bereiche der Kommunikation auswirken.

Ob der finale Wechsel im Leitmedium für die deutsche Gesamtbevölkerung noch fünf, zehn oder fünfzehn Jahre dauern wird ist letztendlich egal. Der Wandel hat sich bei den jüngeren Nutzergruppen schon vollzogen und wird sich weiter ausbreiten.